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Gibt es
das überhaupt: Freude an der Kirche? So fragen manche. Und
dann zählen sie auf, was ihnen Unbehagen bereitet. Die Vorwürfe
prasseln auf die Kirche nieder. Manchmal begründet, manchmal
ungerecht, manchmal hämisch.
Manche nennen die Kirche eine Institution, deren Strukturen verhärtet
sind, so daß es ihr an Lebendigkeit mangelt. Es sind manchmal
nicht viele, die sich öffentlich positiv äußern.
Die kritischen Untertöne sind nicht zu überhören.
Oder ist uns alles, was nach Institution ausschaut (Kirche, Gewerkschaften,
Parteien, Schule ...), von vornherein verdächtig?
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Es scheint
mir, als würde um die Kirche eine Art Nebel gelegt, hinter
dem sie langsam verschwindet und ihre Konturen verliert. Und dann
bricht durch den Nebel das Licht der Wahrheit Gottes hindurch und
läßt in einer unvollkommenen Kirche mit unvollkommenen
Menschen aufstrahlen, was Gott seiner Kirche anvertraut hat. Dies
macht dann den Grund der Freude aus.
Der Apostel Petrus sagt
über die Kirche: "Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht,
das königliche Priestertum, das heilige Volk, das Volk des
Eigentums, daß ihr verkündigen sollt die Tugenden des,
der euch gerufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht"
(1. Petrus 2,9). Ist es nicht alles zu anspruchs-voll? Müssen
das nicht ganz andere Menschen sein, die da gemeint sind, ausgerüstet
mit einer übermenschlichen Kraft, um einer solchen Sendung
gerecht zu werden? Es wäre wohl falsch, wenn wir uns in Überheblichkeit
und Selbstgefälligkeit eine solche Würde selber zusprechen
würden. Unsere kritische Umwelt würde uns bald eines besseren
belehren. Ich meine, es ist uns aber auch verwehrt, die Verheißungen
von uns wegzuschieben. Die ganze Gemeinde ist gerufen, in der Welt
eine ganz bestimmte Aufgabe wahrzunehmen. In ihr ist niemand von
der Verantwortung entbunden. Auch die, welche keine sichtbaren Ämter
bekleiden, tragen mit.
Da wird Kirche zur Schar der von Gott Beschenkten. Wo sie sich so
versteht, wird sie sich nicht im eigenen Kreis drehen, sondern für
die Welt da sein. Freude an der Kirche: vielleicht kann man das
nicht besser ausdrücken, als wenn wir "Freude" ein
wenig buchstabieren:
Frieden. Von ihm ist in der Kirche die Rede - nicht nur im
Zusammenhang mit politischen Entwicklungen. Zuerst geht es um den
Frieden, den Gott mit dem Menschen geschlossen hat. Gott ist nicht
unser Feind, er ist uns Freund. Aber dieser Frieden will nicht in
der Kirche bleiben, sondern in allen Beziehungen unseres Lebens
wirksam werden.
Ruhe. In der Unruhe und Hast der Zeit, in aller Hektik und
allem Treiben und Getriebenwerden ist die Kirche ein Ort der Ruhe.
Nicht umsonst hat Jesus gesagt: "Kommet her zu mir alle, die
ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch Ruhe geben."
Diese Ruhe will mit uns von der Kirche in den Alltag gehen und dort
ausstrahlen und wirken.
Erbarmen. In einer Welt und Zeit, wo nur Leistung gilt, perfektes
Können, karrierebewußtes Denken, redet die Kirche vom
Erbarmen Gottes. Hier muß niemand sich etwas vormachen, niemand
wer weiß was darstellen. Hier ist Raum für unsere Niederlagen
und unser Versagen. Das Erbarmen Gottes hat einen weiten Mantel.
Es macht uns fähig, anderen barmherzig zu begegnen.
Urvertrauen. Ohne diese Grundvoraussetzung kann man nicht
leben. In der Kirche erfahre ich, wie dieses Urvertrauen angebunden
ist an Gott, dem ich vertraue und glaube, der mir die Treue hält.
Gerade in einer mißtrauischen Welt ist Urvertrauen gefragt.
Denn so meint auch schon ein großer Philosoph unserer Tage:
"Gut ist, denen zu vertrauen, die vertrauen."
Dankbarkeit. Sie ist ein Schlüssel zum Leben. Wo ich
ihn verliere, isoliere ich mich und bleibe meinem Egoismus überlassen.
In der Kirche werde ich daran erinnert, wem ich mich verdanke; wem
ich verdanke, was aus mir geworden ist, was ich habe, was ich bin.
Dankbarkeit vor Gott vergißt dann auch die Menschen nicht,
die einem zum Leben verhalfen. Wer dankt, denkt nach, und wer nachdenkt,
wird dankbar.
Erfahrung. In der Kirche höre ich von den Glaubenserfahrungen
der Menschen anderer Zeiten. Sie werden mir in biblischen Geschichten
weitergegeben, die von Begegnungen reden zwischen Gott und Menschen.
Sie sind Anregung und Ermutigung, mich in unserer Zeit den
heutigen Gottes- und Glaubenserfahrungen auszusetzen. Damit erfüllt
wird, was Gott sagt: "Du sollst innewerden, daß ich der
Herr bin, dein Gott."
Johannes
Kuhn
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