2004 - 06-08 Geistliches Wort - Geh aus mein Herz

"Geh aus mein Herz und suche
Freud in dieser lieben Sommerzeit!"

Dieses Lied werden wir nun wieder des öfteren in unseren Gottesdiensten und Veranstaltungen singen. Wenn ich in einem Kreis unserer Gemeinde bin und ein Wunschlied, vielleicht eines zum Geburtstag, benannt werden kann,
dann gehört dieses wunderbare Lied von Paul Gerhard meistens mit dazu.

Dieses Lied paßt so sehr zu dieser Jahreszeit.
Seine Worte und seine so Melodie nehmen unsere Stimmung recht auf. An warmen, sonnigen Sommertagen freuen wir uns an der Natur. Wir erleben all das, was in den Versen dieses Liedes besungen wird, wenn wir unsere Augen und Ohren öffnen.
Paul Gerhard, der Dichter dieses Liedes, faßt diese Aufzählung von Fauna und Flora in eine schöne Sprache und umgibt sie mit einer frohen Litanei. Er entwirft ein farbenprächtiges, lebendiges Gemälde, eine Sommerlandschaft; ein großer sommerlicher Garten öffnet sich vor unseren Augen.

"Geh aus mein Herz, und suche Freud' in dieser lieben Sommerzeit" - diese Überschrift des Liedes wird im Text reich entfaltet. Und dabei ist es wich-tig, den vollständigen ersten Satz als Thema zu erkennen: "Geh aus mein Herz und suche Freud, in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben"!

Ohne diese letzen Worte bliebe unser Lied einzig und allein eine Beschreibung der Natur. Aber durch diese letzten Worte "an deines Gottes Gaben" wird dieses Lied zu einem großen Bekenntnis:
ALLES, was Menschen wahrnehmen, was uns erfreut, was uns staunen läßt in der wunderschönen Natur - das alles ist GOTTES Gabe, dieses alles ist Gottes großartige, unvorstellbar vielfältige Schöpfergabe, wie auch immer die Schöpfung sich vollzogen haben mag.

Paul Gerhard bekennt sich zu Gott, dem Herrn und Schöpfer. Er lobt und preist nicht die Natur, nein, sondern sein Lob gilt dem Schöpfer der Natur. Und er bekennt: "Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen" (Vers 8)!

Diese Worte wollen uns helfen, die Natur als Gabe unseres Gottes und als Aufgabe zu sehen. Wer staunen und sich freuen kann, der wird sich zugleich an seine Aufgabe erinnern lassen, nämlich diese Welt und Schöpfung Gottes,
diesen Garten Gottes "zu erhalten und zu bewahren", so wie es im ältesten Schöpfungsbericht der Bibel als Auftrag an uns Menschen heißt. Gott beauftragt uns Menschen, seine Schöpfung zu bewahren - Prüfen wir uns immer wieder neu, ob wir das auch wirklich tun!

In den folgenden Versen ‚hebt er von dieser Erde ab'! Das könnte unser erster Eindruck sein. Tatsächlich, der Dichter Paul Gerhard wendet seinen Blick einem anderen Garten zu. Er spricht vom güldenen Schlosse, vom Himmelszeit, von Christi Garten. Nach dieser neuen, ewigen Welt sehnt er sich. Diese Verse sprechen das aus, worauf wir Christen aufgrund des Glaubens an Jesus Christus hoffen dürfen. Und der Dichter hat sich manches Mal nach diesem Garten gesehnt, denn er musste ein sehr schweres, leidvolles Leben bewältigen:
Er selber hat nicht nur die Zeit des unvorstellbar schrecklichen, menschen-fressenden 30jährigen Krieges miterlebt; er mußte auch in seiner Familie harte Erfahrungen machen: Seine Frau und vier seiner Kinder sind sehr früh schon gestorben.
Aber aufgrund seines festen Glaubens und seines festen Vertrauens in Jesus Christus, dessen Nähe, Geborgenheit und Trost er geradezu spürte, konnte er hoffen und darum -trotz allem- leben und wirken und nicht verzagen.

Wenn Paul Gerhard sich trotz allem am Leben auf dieser Erde zu freuen vermag, so hat dieses eben seinen festen Grund in seinem Glauben und Vertrauen auf die Gegenwart Christi. Und auch vor der letzten Reise, vor dem Sterben, muß ihm nicht grauen, denn er weiß, er geht von dem einen Garten Gottes in den anderen ewigen Garten unseres Gottes.
Ich wünsche uns allen, dass auch wir in diesem Sinne / Glauben in das wunderschöne Lied "Geh aus mein Herz" mit einstimmen können in dieser lieben Sommerzeit.

Karl Greving, Pastor

 
 
 
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