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"Geh aus mein
Herz und suche
Freud in dieser lieben Sommerzeit!"
Dieses Lied werden wir
nun wieder des öfteren in unseren Gottesdiensten und Veranstaltungen
singen. Wenn ich in einem Kreis unserer Gemeinde bin und ein Wunschlied,
vielleicht eines zum Geburtstag, benannt werden kann,
dann gehört dieses wunderbare Lied von Paul Gerhard meistens
mit dazu.
Dieses Lied paßt
so sehr zu dieser Jahreszeit.
Seine Worte und seine so Melodie nehmen unsere Stimmung recht auf.
An warmen, sonnigen Sommertagen freuen wir uns an der Natur. Wir
erleben all das, was in den Versen dieses Liedes besungen wird,
wenn wir unsere Augen und Ohren öffnen.
Paul Gerhard, der Dichter dieses Liedes, faßt diese Aufzählung
von Fauna und Flora in eine schöne Sprache und umgibt sie mit
einer frohen Litanei. Er entwirft ein farbenprächtiges, lebendiges
Gemälde, eine Sommerlandschaft; ein großer sommerlicher
Garten öffnet sich vor unseren Augen.
"Geh aus mein Herz,
und suche Freud' in dieser lieben Sommerzeit" - diese Überschrift
des Liedes wird im Text reich entfaltet. Und dabei ist es wich-tig,
den vollständigen ersten Satz als Thema zu erkennen: "Geh
aus mein Herz und suche Freud, in dieser lieben Sommerzeit an
deines Gottes Gaben"!
Ohne diese letzen Worte
bliebe unser Lied einzig und allein eine Beschreibung der Natur.
Aber durch diese letzten Worte "an deines Gottes Gaben"
wird dieses Lied zu einem großen Bekenntnis:
ALLES, was Menschen wahrnehmen, was uns erfreut, was uns
staunen läßt in der wunderschönen Natur - das alles
ist GOTTES Gabe, dieses alles ist Gottes großartige,
unvorstellbar vielfältige Schöpfergabe, wie auch
immer die Schöpfung sich vollzogen haben mag.
Paul Gerhard bekennt
sich zu Gott, dem Herrn und Schöpfer. Er lobt und preist nicht
die Natur, nein, sondern sein Lob gilt dem Schöpfer der
Natur. Und er bekennt: "Ich selber kann und mag nicht ruhn,
des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle
Sinnen" (Vers 8)!
Diese Worte wollen uns
helfen, die Natur als Gabe unseres Gottes und als
Aufgabe zu sehen. Wer staunen und sich freuen kann, der wird
sich zugleich an seine Aufgabe erinnern lassen, nämlich diese
Welt und Schöpfung Gottes,
diesen Garten Gottes "zu erhalten und zu bewahren", so
wie es im ältesten Schöpfungsbericht der Bibel als Auftrag
an uns Menschen heißt. Gott beauftragt uns Menschen, seine
Schöpfung zu bewahren - Prüfen wir uns immer wieder neu,
ob wir das auch wirklich tun!
In den folgenden Versen
hebt er von dieser Erde ab'! Das könnte unser erster
Eindruck sein. Tatsächlich, der Dichter Paul Gerhard wendet
seinen Blick einem anderen Garten zu. Er spricht vom güldenen
Schlosse, vom Himmelszeit, von Christi Garten. Nach dieser neuen,
ewigen Welt sehnt er sich. Diese Verse sprechen das aus, worauf
wir Christen aufgrund des Glaubens an Jesus Christus hoffen dürfen.
Und der Dichter hat sich manches Mal nach diesem Garten gesehnt,
denn er musste ein sehr schweres, leidvolles Leben bewältigen:
Er selber hat nicht nur die Zeit des unvorstellbar schrecklichen,
menschen-fressenden 30jährigen Krieges miterlebt; er mußte
auch in seiner Familie harte Erfahrungen machen: Seine Frau und
vier seiner Kinder sind sehr früh schon gestorben.
Aber aufgrund seines festen Glaubens und seines festen Vertrauens
in Jesus Christus, dessen Nähe, Geborgenheit und Trost
er geradezu spürte, konnte er hoffen und darum -trotz allem-
leben und wirken und nicht verzagen.
Wenn Paul Gerhard sich
trotz allem am Leben auf dieser Erde zu freuen vermag, so hat dieses
eben seinen festen Grund in seinem Glauben und Vertrauen auf die
Gegenwart Christi. Und auch vor der letzten Reise, vor dem Sterben,
muß ihm nicht grauen, denn er weiß, er geht von dem
einen Garten Gottes in den anderen ewigen Garten unseres Gottes.
Ich wünsche uns allen, dass auch wir in diesem Sinne / Glauben
in das wunderschöne Lied "Geh aus mein Herz" mit
einstimmen können in dieser lieben Sommerzeit.
Karl
Greving, Pastor
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